Ijändwann un ijändwo muss de Jeschichtä vom Tach ! ja anjefangän häbän un eijändlich kann nur Järd dat erzählen. Die Jeschichtä von dat Tach ! bejann als et dat Tach!sch - de Sprachä vom Tach! - noch jarnich jab.
Järd erzählt von Dr. Biär
Es war wieder einmal Freitagabend - der Wochenabschuss.
Ralph hatte es in die Eckkneipe gezogen.
Wie immer hatte Ralph eine Woche des Schienbeintretens hinter sich. In seinem Job stand er in der ersten Reihe und bekam alle Stressfaktoren dieser Welt ab. Also Grund genug das Wochenende mit einer Bierspülung zu beginnen.
Früher sagte jeder zur Eckkneipe und weil der Niederrheiner ja an seinen Traditionen hängt, sagt der alte Kern der Eckkneipengäste immer noch "Ich jeh zum ", auch wenn die Kneipe jetzt wieder heißt.
Es war wieder einmal Freitagabend - der Wochenabschuss.
Ralph hatte es in die Eckkeipe gezogen.
Wie immer trafen wir uns: Ralph, Christina, Marie, Thomas, Barbara ,Udo, Beate und ich. Es wurde erzählt, gelacht, gekickert und natürlich viel Bier getrunken.
Wenn es dann irgendwann so richtig gesellig war und das Bier die Zungen ein wenig schwerer gemacht hatte, lagen Ralph und Gerd sich in den Armen und machten alle Späße dieser Welt. Wir selber lachten am meisten über unsere Späße, denn kaum einer konnte unseren Humor so richtig verstehen.
An einem dieser Abende wurde ein gemeinsames Essen beim Türken geplant. Das "Hamsteressen" ist seitdem legendär und läuft fast immer im gleichen Rhythmus ab :
Nach einem Bier und einem Raki (die Mädels hatten natürlich einen türkischen Tee) schritt der Vorspeisen-meister Udo zur Tat. Seine Aufgabe war es den Tisch mit türkischen Vorspeisen zu füllen. Zu seiner umfangreichen Bestellung gab es erstmal ein Bier und ein Raki.
Es wurde gegessen, erzählt, gelacht, Bier und Raki getrunken.
Dann kam der grosse Auftritt von "Hamsi" - dem türkischen Gastgeber. Er betete seine Tagesspeisekarte mit allen Zutaten und Zubereitungshinweisen auswendig herunter. Zwischenrufe überging er mit stoischer Ruhe und auf Wunsch erklärte er die einzelnen Gerichte auch ein zweites Mal. Später wusste dann keiner mehr, was er bestellt hatte und die Überraschung war immer riesig, wenn alles auf dem Tisch stand.
Es wurde gegessen, erzählt, gelacht, Bier und Raki getrunken.
Nach dem Essen packte Ralph dann seine "Wat jeht et uns Jut" Zigarre aus und wir rauchten Zigarren. Dazu gab es Bier und Raki.
Es wurde erzählt, gelacht, Bier und Raki getrunken.
Irgend wann lachte Marie: "Schaut euch mal Ralph und Gerd an : Die haben die Zigarre in der gleichen Hand, trinken immer gleichzeitig am Bier, lachen über die gleichen Späße und schauen sich immer gleichzeitig an- als wenn sie Brüder wären" .
Gerd und Ralph Brüder ?
Sofort wurden alle Familienbeziehungen Kaldenkirchens durchleuchtet, denn irgendwann kreuzten sich ja immer die Wege der Kaldenkirchener Familien . Ralph und ich sind ja waschechte Kaldenkirchener. Ich wurde sogar noch im Kaldenkirchener Krankenhaus geboren .Aber es ließ sich keine Verwandtschaft finden (und das ist in Kaldenkirchen selten ) Doch dann wusste ich es ! Ralph war mein Bruder! Wir hatten den gleichen Vater . "Meine Mutter hat immer zu mir gesagt: Gerd du bis nicht von deinem Vater , du bist vom Briefträger." Sagte ich. Ralph strahlte : "Das hat meine Mutter auch immer gesagt !!" Dann lagen wir uns in den Armen.
Seitdem sind Ralph und ich Brüder.
Welcher Briefträger was wo in einen Schlitz gesteckt hat interessiert uns nicht. Wir passen aufeinander auf, helfen uns und begleiten uns auf unserem Weg durch das Leben.
Es war wieder einmal Freitagabend - der Wochenabschuss.
Ralph hatte es in die Eckkeipe gezogen und alle waren wieder da.
Es wurde erzählt, gelacht und Bier getrunken.
Es war gemütlich und fröhlich wie immer und wie immer lagen sich die Brüder Ralph und Gerd in den Armen. Ich stieß mein Bierglas mit Ralph´s Glas zusammen und sagte : "Ralph mein Bruder, bald ist es soweit - dann baue ich endlich meine Kneipe. Ein paar Mal habe ich es schon probiert und es hat nicht geklappt, aber diesmal bin ich ganz nah dran." Ralph wusste natürlich von meinem Wunsch eine Kneipe zu bauen. Immerhin hatte ich schon einige Optikgeschäfte aufgebaut und suche immer neue Herausforderungen - also warum nicht mal eine Kneipe bauen. "Gerd, mein Bruder" sagte Ralph " sage Bescheid wenn es losgeht. Ich werde dich auf diesem Weg begleiten"
Und so begann ich mit Ralph den Weg zum Tach!
Das erste Objekt der Begierde war die Kneipe gleich neben der Eisdiele mitten in Kaldenkirchen. Aber dieses Projekt zerschlug sich in den Verhandlungen zum Mietvertrag. Ich war sauer, aber Ralph tröstete mich : "Gerd, nicht so schlimm, schau dir mal die an. Die ist auch frei." Nein nein, ich war nicht begeistert denn ich hatte die nicht in guter Erinnerung und außerdem lag die nicht wirklich in der "Stadt".
Ich kannte die ehemalige Wirtin der - Frau Schouren - schon seit über 20 Jahren als Kontaktlinsenkundin. Als Sie kurze Zeit später mal wieder bei mir in der Optik war, fragte ich sie nach der . Später hatte ich dann die Brauerei , dem Eigentümer der am Telefon und nur 20 Minuten später war ich im Objekt. Eine kurze Prüfung und mir war klar, das ich hier meine Kneipe bauen konnte.
Ralph mein Bruder war natürlich - wie besprochen - mein Begleiter. Aber wie sollte er wirklich in Erscheinung treten?
Es war wieder einmal Freitagabend - der Wochenabschuss.
Ralph hatte es in die Eckkeipe gezogen und alle waren wieder da.
Es wurde erzählt, gelacht und Bier getrunken.
Es war gemütlich und fröhlich wie immer und wie immer lagen sich die Brüder Ralph und Gerd in den Armen. Ich stieß mein Bierglas mit Ralph´s Glas zusammen und sagte: "Ralph , du bleibst nicht mehr Ralph , du wirst Professor Bier in unserer Kneipe !" Ralph strahlte: "Zuviel der Ehre, Gerd. Dr. Bier reicht völlig !" Wir stießen unsere Biergläser aneinander, küssten uns und Ralph war nun Dr. Bier und begeleitete mich weiter auf dem Weg zur Tach! Kneipe. Weil ich ja nich richtich Deutsch, Platt oder Neu-Deutsch kann, sprech un schreib ich ja jrad so wie dat passt. Wie dat Tach! dann zu uns kam, hatte ich ändlich die Jeljänhait so zu schraibän wie ich spräch. Die Sprachä vonne Tach! Kneipä heißt jätzt Tach!sch .
Jleich am Anfang wurdä dat Schild anne Kneipä draussä übärkläbt. Et stand dann "Tach! Biär" da. Un wänn dann Bier in Tach!´sch "Biär" heißt, heist Ralph natürlich jätzt
Dr. Biär
Dat is jätzt so un dat blaibt auch so!
Von Järd